Decin

Dìèín (deutsch Tetschen-Bodenbach) ist eine Stadt im Ústecký kraj an der Elbe im Norden der Tschechischen Republik, nahe der Grenze zur Bundesrepublik Deutschland (Bundesland Sachsen). Dìèín besitzt den wichtigsten Eisenbahn-Grenzübergang zwischen Deutschland und Tschechien an der Strecke Berlin - Dresden - Prag und hat sich zu einer 140 km² großen Industrie- und Verwaltungsstadt im Norden Böhmens entwickelt. Archäologische Funde belegen, dass die Besiedlung des Tetschener Talkessels bis in die jüngere Bronzezeit zurückreicht. Im 10. Jahrhundert legten die Premysliden am Standort des heutigen Schlosses eine hölzerne Befestigungsanlage an. Diese schützte und kontrollierte eine wichtige Elbfurt, über die ein am Südfuß des Erzgebirges nach der Lausitz führender Handelsweg verlief. Unterhalb der Burg entstand ein Handelsort, der 993 erstmals erwähnt wurde. Der Elbhandel selbst wurde 1057, die Burg erstmals 1128 erwähnt. Im 13. Jahrhundert erfolgte der Umbau der hölzernen Befestigungsanlage zu einer steinernen Burg, welche zugleich das Verwaltungszentrum der Domäne Dìèín wurde. König Ottokar II. legte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts die südlich der Burg auf der Frauenwiese gelegene Stadt Dìèín (Tetschen) an, wahrscheinlich weil die ältere und tiefer gelegene Siedlung von einem Hochwasser vernichtet wurde. Im 14. Jahrhundert errichteten die Herren von Wartenberg im Norden der Burg eine neue Stadt, welche einen einen Großteil der Einwohner der alten Stadt aufnahm. Zwischen 1347-50 grassierte hier die Pest, der zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. Für das Jahr 1384 belegen Urkunden die Stadtgerechtsame und das Vorhandensein des Zunftwesens (Schusterbrief). Der genaue Zeitpunkt der Stadtrechtsverleihung ist hingegen unbekannt. Wahrscheinlich ist dafür die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts anzusetzen. 1534 ging die Herrschaft Tetschen mitsamt Stadt und Schloss in den Besitz derer von Bünau über. Damit begann die Blütezeit der Stadtentwicklung, da die Bünaus die wirtschaftliche Entwicklung ihres neuen Besitzes forcierten. Sie intensivierten u.a. den Handel mit Holz, für die die Waldungen in der Umgebung Tetschens gute Voraussetzungen boten. Gleichzeitig führten sie die Schafzucht ein und errichteten in Tetschen zwei große Schafställe. In der Umgebung der Stadt ließen sie Obstgärten und Weinberge anlegen. Der gestiegene Elbhandel ließ die Stadt bis zum Dreißigjährigen Krieg aufblühen. Während des Dreißigjährigen Krieges befanden sich Burg und Stadt abwechselnd in den Händen von sächsischen, schwedischen und kaiserlichen Truppen. Die Stadt selbst brannte während dieser Zeit mehrmals ab. Auf der linken Elbseite befanden sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur einige kleine unbedeutende Siedlungen, die sich 1850 zum Ort Bodenbach zusammenschlossen. Ein Jahr später wurde am 6. April 1851 der letzte von Krippen nach Bodenbach führende Abschnitt der Dresden-Bodenbacher Eisenbahn in Betrieb genommen. Der Eisenbahnbau forcierte die Entwicklung des bis dato wirtschaftlich unbedeutenden linken Elbufers. Innerhalb weniger Jahrzehnte siedelten sich zahlreiche Industriebetriebe an. Bodenbach entwickelte sich zu einem Industrieort mit umfangreicher Jugendstilarchitektur. Bereits 1880 übertraf der Ort das rechtselbische Tetschen sowohl hinsichtlich der Einwohnerzahl als auch der wirtschaftlichen Bedeutung. Er bekam deshalb 1901 das Stadtrecht verliehen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hielt der wirtschaftliche Aufschwung beider Städte weiter an, er schlug sich in einer umfangreichen Bautätgkeit nieder. 1901 wurde das Stadttheater als Varieté erbaut, 1906/07 entstand in Bodenbach eine Synagoge. Am 1. Oktober 1942 wurden die Städte Bodenbach und Tetschen mit der Gemeinde Altstadt zur neuen Stadt Tetschen-Bodenbach vereinigt. Am 8. Mai 1945 übernahm ein antifaschistischer Ausschuss aus in der Stadt wohnhaften Deutschen und Tschechen das Rathaus, und Albert Allert, deutschböhmischer Antifaschist, wurde Bürgermeister. Nach wenigen Tagen wurde Allert allerdings wegen seiner deutschen Nationalität abgesetzt und durch František Eret ersetzt.[1] Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde der größte Teil der deutschen Bevölkerung 1945 enteignet und vertrieben. 1947 wurde der einheitliche Stadtname Dìèín eingeführt. In der Nachkriegszeit hielt die bauliche Entwicklung der Stadt an. Weitere Industriebetriebe siedelten sich und vorhandene Anlagen wurden erweitert. Im Zuge der Stadtentwicklung wurden zahlreiche alte Gebäude abgerissen, darunter auch weite Teile des alten Tetschener Stadtkerns. Ab den 1960er Jahren wurde für die wachsende Bevölkerung zusätzlicher Wohnraum in Neu- und Plattenbauvierteln vorwiegend an den Stadträndern geschaffen. 2002 nahm in der Stadt die damals größte Geothermie-Anlage Europas ihren Betrieb auf. Die Anlage erzeugt jährlich 78 GWh und versorgt einen Großteil der Stadt mit Erdwärme. Das geothermale Wasser wird aus einer Quelle in 400 m Tiefe gewonnen. Die Investitionen beliefen sich auf knapp 17 Millionen Euro. Heute ist Dìèín mit über 50.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in der Region Ústí und zugleich ein bedeutendes Wirtschafts- und Verwaltungszentrum sowie ein wichtiger Verkehrsknoten in Nordböhmen.

Decin - Information

Dìèín
Region Aussig
52155
36936


22
11803.9 m²
ja
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Decin - Landkarte

50°46'22.38"N 14°12'50.28"E
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Fotos Decin

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